In Deutschland gibt es nur drei flächendeckende Mobilfunknetze — aber gefühlt hundert Anbieter. Wer versteht, wie das zusammenhängt, trifft beim Tarifwechsel deutlich bessere Entscheidungen.
Die drei Netzbetreiber
- Telekom (D1): traditionell die beste Abdeckung, besonders auf dem Land und an Bahnstrecken. Entsprechend die höchsten Preise.
- Vodafone (D2): in Städten stark, auf dem Land solide, punktuell mit Lücken.
- O2 / Telefónica: in Ballungsräumen inzwischen sehr gut ausgebaut, in ländlichen Regionen weiterhin am schwächsten.
Ein vierter Betreiber, 1&1, baut ein eigenes Netz auf und nutzt bis zur Fertigstellung das Netz eines Partners. Der Ausbau ist regional sehr unterschiedlich weit.
Warum Discounter so viel günstiger sind
Anbieter wie congstar, Blau, Otelo, WinSIM oder Aldi Talk betreiben kein eigenes Netz. Sie kaufen Kapazität bei einem der drei Betreiber ein und verkaufen sie unter eigener Marke weiter. Der Funkmast ist derselbe — gespart wird an Shops, Beratung und Marketing. Deshalb bekommst du im selben Netz oft den halben Preis.
Der Haken: Priorisierung und Feature-Beschränkungen
Gleiches Netz heißt nicht immer gleiche Leistung. Zwei Punkte solltest du im Blick haben:
- Maximale Geschwindigkeit: Viele Discounter-Tarife sind gedrosselt, etwa auf 25 oder 50 Mbit/s statt der technisch möglichen 300 Mbit/s.
- 5G: Nicht jeder günstige Tarif enthält 5G. Bei manchen kostet es Aufpreis, bei anderen gibt es nur LTE.
Bei Netzüberlastung können Kunden der Hauptmarke außerdem bevorzugt behandelt werden. Im Alltag merkt man davon selten etwas — auf einem vollen Festivalgelände dagegen schon.
Was der Netztest wirklich aussagt
Die großen Netztests messen entlang von Straßen, in Zügen und in Städten. Das ist methodisch sauber, sagt aber wenig darüber aus, wie gut das Netz an deinen Orten funktioniert: zu Hause, im Büro, bei den Eltern. Ein Netz, das im Test knapp verliert, kann bei dir das deutlich bessere sein.
So findest du dein Netz
- Die Netzabdeckungskarten der drei Betreiber für deine Adressen prüfen — sie sind kostenlos und öffentlich.
- Im Bekanntenkreis fragen, wer an denselben Orten welches Netz nutzt und wie zufrieden er ist.
- Falls möglich, eine Prepaid-Karte des Wunschnetzes für ein paar Wochen testen, bevor du einen Vertrag abschließt.
- Erst danach den günstigsten Tarif innerhalb des passenden Netzes suchen.
Die richtige Reihenfolge
Die meisten machen es andersherum: erst den billigsten Tarif suchen, dann mit dem Empfang hadern. Besser ist: Netz zuerst, Preis danach. Denn ein Tarif für 6 Euro nützt nichts, wenn du zu Hause kein Signal hast — und ein Wechsel innerhalb desselben Netzes bringt dir fast immer den größeren Sprung beim Preis als beim Empfang.