Wenn du in eine Wohnung ziehst und den Strom einfach nutzt, ohne einen Vertrag abzuschließen, bist du automatisch versorgt. Klingt bequem — und ist meist die teuerste Variante, die es gibt.
Was Grundversorgung eigentlich ist
In jedem Netzgebiet gibt es einen Grundversorger: das Unternehmen mit den meisten Haushaltskunden in der Region, meist der örtliche Stadtwerke-Betrieb. Es ist gesetzlich verpflichtet, jeden zu beliefern, der sonst keinen Vertrag hat. Diese Auffangfunktion ist der Grund, warum in Deutschland niemand ohne Strom dasteht — auch nach einer Anbieterinsolvenz nicht.
Die Vorteile
- Kurze Kündigungsfrist: zwei Wochen, jederzeit — du kommst immer sofort raus
- Keine Mindestlaufzeit und keine Vorkasse
- Preisänderungen müssen mit sechs Wochen Vorlauf angekündigt werden, verbunden mit einem Sonderkündigungsrecht
- Ausfallsicherheit: Der Grundversorger kann dich nicht ablehnen
Der Nachteil ist der Preis
Die Grundversorgung ist in aller Regel deutlich teurer als ein Sondertarif — je nach Region und Zeitpunkt liegen mehrere hundert Euro im Jahr dazwischen. Der Grund ist nicht Bosheit, sondern Kalkulation: Der Grundversorger muss Strom für eine unbekannte Zahl von Kunden vorhalten, die jederzeit gehen können. Diese Unsicherheit ist eingepreist.
Der häufigste Irrtum
Viele glauben, sie hätten einen normalen Vertrag, weil sie ja regelmäßig eine Rechnung von den Stadtwerken bekommen. Prüf das konkret: Auf der Jahresabrechnung steht der Tarifname. Taucht dort Grundversorgung oder Ersatzversorgung auf, zahlst du mit hoher Wahrscheinlichkeit zu viel. Dieselben Stadtwerke haben oft auch einen günstigeren Sondertarif — schon der Wechsel innerhalb desselben Anbieters kann spürbar sparen.
Ersatzversorgung: der teure Sonderfall
Wenn dein Anbieter insolvent geht und die Lieferung einstellt, landest du automatisch in der Ersatzversorgung des Grundversorgers. Die ist noch einmal teurer und läuft maximal drei Monate. Das ist ein Sicherheitsnetz, kein Dauerzustand: Such dir in diesem Fall zügig aktiv einen neuen Tarif, statt abzuwarten.
Wann Grundversorgung sinnvoll ist
- Direkt nach dem Umzug, als Überbrückung für ein paar Wochen, bis du in Ruhe vergleichst
- Bei einem sehr kurzen Aufenthalt, etwa in einer Zwischenmiete
- Wenn eine Anbieterinsolvenz dich unfreiwillig dorthin gespült hat — dann aber als Zwischenlösung
Das Vorgehen
Schau auf deine letzte Jahresabrechnung und suche den Tarifnamen. Steht dort Grundversorgung, vergleiche den aktuellen Arbeits- und Grundpreis mit dem, was am Markt verfügbar ist. Der Wechsel dauert zehn Minuten, das Risiko ist praktisch null — die Versorgung läuft in jedem Fall weiter. Achte beim neuen Tarif auf eine faire Preisgarantie, eine überschaubare Laufzeit und keine Vorkasse. Und setz dir einen Kalendereintrag für das Folgejahr.