Warum die Begriffe überhaupt wichtig sind

Bei Strom- und Gastarifen taucht der Bonus meist als große Zahl in der Werbung auf — „bis zu 300 € Bonus". Was dahinter steckt, sind aber in der Regel zwei bis drei völlig verschiedene Zahlungen mit unterschiedlichen Bedingungen und Zeitpunkten. Wer das nicht auseinanderhält, plant mit Geld, das erst in vierzehn Monaten kommt.

Die Unterscheidung ist keine Wortklauberei: Sie entscheidet darüber, ob du den Bonus überhaupt bekommst.

Der Sofortbonus

Der Sofortbonus wird kurz nach Lieferbeginn ausgezahlt — typischerweise innerhalb der ersten Wochen bis wenigen Monate, je nach Anbieter. „Sofort" meint dabei nicht den Tag des Vertragsabschlusses, sondern den Start der tatsächlichen Belieferung. Zwischen Abschluss und Lieferbeginn liegen wegen Kündigungsfristen beim Altanbieter oft mehrere Wochen.

Wichtig: Ein Sofortbonus ist in aller Regel nicht daran geknüpft, dass du ein volles Jahr bleibst — er wird ausgezahlt, sobald die Belieferung läuft. Er ist damit die verlässlichste der drei Varianten.

Der Haken liegt woanders: Manche Anbieter kalkulieren den Sofortbonus in einen Arbeitspreis ein, der über dem Marktniveau liegt. Der Bonus ist dann real, aber du hast ihn über den höheren Verbrauchspreis teilweise selbst bezahlt.

Der Neukundenbonus

Der Neukundenbonus — oft auch Treuebonus oder Jahresbonus genannt — wird erst nach einem vollständigen Belieferungsjahr gutgeschrieben, meist mit der ersten Jahresabrechnung. Er ist damit an eine Bedingung geknüpft, die man aktiv erfüllen muss: durchgehend zwölf Monate Kunde bleiben.

Genau hier gehen die meisten Boni verloren. Typische Stolpersteine:

  • Zu früh gekündigt. Wer nach elf Monaten wechselt, weil ein besseres Angebot lockt, verliert den kompletten Jahresbonus.
  • Umzug innerhalb des Bonusjahres. Ein Umzug bedeutet häufig einen neuen Vertrag an der neuen Adresse — das Bonusjahr beginnt von vorn oder entfällt ganz. Bei einem geplanten Umzug ist ein Sofortbonus daher fast immer die bessere Wahl.
  • Zahlungsverzug. Viele Bonusbedingungen setzen voraus, dass alle Abschläge pünktlich beglichen wurden.

Der Neukundenbonus ist oft der betragsmäßig größte Posten — und der unsicherste.

Die Wechselprämie

Die Wechselprämie ist meist ein kleinerer Festbetrag dafür, dass du von einem anderen Anbieter kommst. Entscheidend ist die Definition von „Neukunde": Üblicherweise gilt man nicht als Neukunde, wenn im eigenen Haushalt in den letzten sechs, zwölf oder sogar vierundzwanzig Monaten schon einmal ein Vertrag mit demselben Anbieter bestand.

Bemerkenswert ist die Formulierung „im Haushalt": Es genügt in vielen Bedingungen nicht, dass der Vertrag auf eine andere Person läuft. Wer im Kreis wechselt und nach zwei Jahren zum früheren Anbieter zurückkehrt, sollte diese Frist prüfen — sonst entfällt die Prämie stillschweigend.

Wie man die Angebote wirklich vergleicht

Die brauchbarste Kennzahl ist nicht der Bonus, sondern der Gesamtpreis im ersten Jahr inklusive aller Boni — und daneben der Preis im zweiten Jahr ohne Boni. Diese zweite Zahl fehlt in fast jeder Werbung und ist die wichtigere.

Der Grund: Boni sind einmalig, der Arbeitspreis bleibt. Ein Tarif mit hohem Bonus und hohem Arbeitspreis ist im ersten Jahr günstig und ab dem 13. Monat teuer. Wer nicht plant, jährlich zu wechseln, fährt mit einem moderaten Bonus und niedrigem Arbeitspreis auf Dauer besser.

Praktisch heißt das: Rechne beide Jahre durch, bevor du dich entscheidest. Deinen Jahresverbrauch findest du auf der letzten Jahresabrechnung — das ist die einzige Zahl, die du für einen belastbaren Vergleich brauchst.

Die Preisgarantie ist Teil der Rechnung

Ein hoher Bonus nützt wenig, wenn der Arbeitspreis nach vier Monaten steigt. Achte darauf, was die Preisgarantie abdeckt und wie lange sie gilt. Eine „eingeschränkte Preisgarantie" schließt Steuern, Abgaben und Netzentgelte typischerweise aus — genau die Bestandteile, die sich erfahrungsgemäß bewegen.

Sinnvoll ist, Bonuslaufzeit und Preisgarantie zusammen zu betrachten: Eine Preisgarantie, die kürzer läuft als das Bonusjahr, kann den Bonus rechnerisch aufzehren, bevor er überhaupt ausgezahlt wird.

Eine praktische Vorgehensweise

  1. Jahresverbrauch von der letzten Abrechnung ablesen.
  2. Angebote mit diesem Verbrauch vergleichen — nicht mit Standardwerten.
  3. Bei jedem Angebot notieren: Welcher Bonus ist sofort, welcher nach zwölf Monaten?
  4. Kosten für Jahr eins und Jahr zwei getrennt ausrechnen.
  5. Preisgarantie und Kündigungsfrist prüfen.
  6. Nach Abschluss eine Erinnerung auf den zehnten Monat setzen — dann ist noch Zeit, rechtzeitig zu kündigen oder bewusst zu bleiben.

Punkt sechs ist der, den fast alle vergessen. Er entscheidet darüber, ob der Bonus im Folgejahr durch eine automatische Vertragsverlängerung zum teuren Grundtarif wieder aufgefressen wird.

Was das im Ergebnis bedeutet

Boni sind ein legitimer Weg, günstiger an Strom und Gas zu kommen — aber nur, wenn man die Bedingungen kennt. Ein Sofortbonus ist planbar, ein Jahresbonus ist an Durchhalten geknüpft, eine Wechselprämie an eine Karenzzeit. Wer weiß, welche Variante er vor sich hat, entscheidet sich nicht nach der größten Zahl in der Anzeige, sondern nach dem, was am Ende tatsächlich auf dem Konto landet.

Dieser Text ist eine allgemeine Verbraucherinformation und ersetzt keine individuelle Beratung. Maßgeblich sind immer die Bonusbedingungen des jeweiligen Anbieters.