Gebucht hast du 250 Mbit/s, an kommen 60. Lange war das ein Ärgernis ohne Konsequenz. Inzwischen hast du in so einem Fall ein handfestes Recht — wenn du sauber vorgehst.
Die drei Zahlen im Vertrag
Jeder Anbieter muss dir ein Produktinformationsblatt geben. Darin stehen drei Geschwindigkeiten:
- Maximale Geschwindigkeit: der Wert aus der Werbung — bestenfalls erreichbar
- Normalerweise verfügbare Geschwindigkeit: was in den meisten Stunden anliegen soll
- Minimale Geschwindigkeit: der Wert, der nie unterschritten werden darf
Der letzte Wert ist der entscheidende. Genau daran wird gemessen, ob dein Anbieter liefert.
Wann eine Minderung möglich ist
Eine erhebliche, kontinuierliche oder regelmäßig wiederkehrende Abweichung liegt vor, wenn eines dieser Kriterien erfüllt ist:
- Die minimale Geschwindigkeit wird nicht durchgehend erreicht
- Die normalerweise verfügbare Geschwindigkeit wird in mindestens 90 Prozent der Messungen nicht zu mindestens 90 Prozent erreicht
- Die maximale Geschwindigkeit wird nie erreicht
Dann darfst du das Entgelt anteilig mindern — im Verhältnis zwischen versprochener und tatsächlicher Leistung. Unter Umständen kommt auch eine außerordentliche Kündigung in Betracht.
So misst du rechtssicher
Ein beliebiger Speedtest reicht als Nachweis nicht. Verbindlich ist die Messdesktop-App der Bundesnetzagentur. Der Ablauf ist genau vorgegeben:
- Messung per LAN-Kabel, nicht über WLAN — WLAN-Verluste sind nicht das Problem des Anbieters
- Alle anderen Geräte vom Netz nehmen, Downloads und Streams beenden
- An zwei verschiedenen Tagen jeweils zehn Messungen durchführen
- Zwischen den Messungen jeweils mindestens fünf Minuten Abstand
- Die Messungen über den Tag verteilen, nicht alle in einer Stunde
Am Ende erzeugt die App ein Protokoll. Das ist dein Beweismittel.
Der richtige Ablauf
- Produktinformationsblatt heraussuchen und die drei Werte notieren
- Messkampagne nach Vorgabe durchführen und Protokoll speichern
- Anbieter schriftlich informieren, Protokoll beilegen und Abhilfe fordern
- Angemessene Frist setzen — zwei bis vier Wochen sind üblich
- Passiert nichts, Minderung schriftlich erklären und den Betrag konkret beziffern
Vorher: die eigenen Fehlerquellen ausschließen
Bevor du den Anbieter anschreibst, prüfe die Dinge, die in deiner Hand liegen. Ein alter Router, ein überlastetes WLAN, ein Gerät mit veraltetem WLAN-Standard oder eine schlechte Verkabelung erklären erstaunlich viele Fälle. Auch ein VPN oder ein volles Datenlimit können die Ursache sein. Miss immer per Kabel — das trennt dein Heimnetz sauber vom Anschluss.
Realistisch bleiben
Ein gewisser Abschlag vom Maximalwert ist normal und vertraglich gedeckt. Es geht nicht darum, ob du exakt 250 von 250 Mbit/s bekommst, sondern ob der Anbieter seine eigene Untergrenze einhält. Genau diese Zahl solltest du kennen, bevor du dich beschwerst.
Dieser Text ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechtsberatung.