Die Rechnung hinter dem Bonus
Ein Anbieter, der dir 100 € schenkt, ist nicht großzügig — er hat gerechnet. In Märkten mit langen Vertragsbeziehungen und hohem Wettbewerb ist ein einmaliger Bonus schlicht die effizienteste Art, Kunden zu gewinnen. Klassische Werbung kostet ähnlich viel, wirkt aber ungenauer.
Der Bonus lohnt sich für den Anbieter, weil er über die Vertragsdauer wieder eingespielt wird: über den laufenden Preis, über Zusatzleistungen oder schlicht darüber, dass viele Kunden nach Ablauf der Aktion bleiben und dann zum Normaltarif zahlen. Genau der letzte Punkt ist das Geschäftsmodell — und der Grund, warum die meisten Boni ihr Geld für den Anbieter wieder einbringen.
Daraus folgt die wichtigste Erkenntnis für dich: Ein Bonus ist kein Geschenk, sondern ein Vorschuss auf deine Trägheit. Wer aktiv bleibt, gewinnt; wer den Vertrag danach vergisst, zahlt drauf.
Die drei Bonusarten und ihre Tücken
Sofortbonus
Wird kurz nach Leistungsbeginn ausgezahlt, meist ohne Bedingung außer der Belieferung selbst. Er ist die verlässlichste Variante, weil kein Durchhalten nötig ist. Achte darauf, ob er über einen erhöhten laufenden Preis gegenfinanziert wird.
Jahres- oder Neukundenbonus
Wird erst nach zwölf Monaten Vertragsbeziehung gutgeschrieben. Betragsmäßig oft der größte Posten — und der unsicherste, weil vorzeitige Kündigung, Umzug oder Zahlungsverzug ihn kosten können.
Sachprämie
Ein Gerät oder Gutschein statt Geld. Hier lohnt der Vergleich mit dem tatsächlichen Marktpreis: Sachprämien werden gern mit dem unverbindlichen Listenpreis beworben, der real deutlich unterschritten wird. Eine „150 € Prämie", die im Handel 90 € kostet, ist eine 90-€-Prämie.
Die Neukundendefinition — der häufigste Ausschlussgrund
Fast jeder Bonus setzt voraus, dass du Neukunde bist. Was das genau heißt, steht im Kleingedruckten und unterscheidet sich erheblich:
- Übliche Karenzzeiten liegen zwischen sechs und vierundzwanzig Monaten seit dem letzten Vertrag.
- Häufig gilt die Sperre für den gesamten Haushalt, nicht nur für dich persönlich. Ein Vertrag, der auf die Partnerin läuft, kann den Bonus ausschließen.
- Bei Konzernen kann die Sperre auch für Schwestermarken gelten — zwei scheinbar verschiedene Anbieter gehören dann zur selben Gruppe.
Der letzte Punkt ist der überraschendste: Wer im Kreis wechselt, um jedes Jahr einen Bonus mitzunehmen, sollte prüfen, wem die Marken jeweils gehören.
Wie man Angebote wirklich vergleichbar macht
Der Bonus allein sagt nichts. Aussagekräftig sind zwei Zahlen:
- Gesamtkosten Jahr 1 inklusive aller Boni — was zahlst du effektiv im ersten Jahr?
- Gesamtkosten Jahr 2 ohne Boni — was kostet der Vertrag, wenn nichts mehr geschenkt wird?
Ein hoher Bonus mit hohem Folgepreis ist ein gutes Geschäft für Wechselwillige und ein schlechtes für alle anderen. Ein moderater Bonus mit niedrigem Dauerpreis ist umgekehrt. Beide Varianten sind legitim — du musst nur wissen, zu welchem Typ du gehörst.
Was den Bonus im Nachhinein auffrisst
- Automatische Verlängerung zum Normalpreis. Der Klassiker: 100 € Bonus im ersten Jahr, im zweiten Jahr 15 € mehr im Monat — macht 180 € Mehrkosten.
- Preiserhöhung während der Laufzeit. Immerhin verbunden mit einem Sonderkündigungsrecht.
- Zusatzoptionen, die mitgebucht wurden. Häufig kostenlos in den ersten Monaten und danach kostenpflichtig, wenn man nicht widerspricht.
- Anschluss- oder Bereitstellungsgebühren, die den Bonus rechnerisch reduzieren.
Boni sauber mitnehmen: eine Routine
- Vor Abschluss: Bonusbedingungen lesen und als Screenshot sichern — Bedingungen ändern sich.
- Notieren, wann welcher Bonus fällig wird.
- Erinnerung auf den Fälligkeitstermin setzen. Kommt nichts, freundlich nachfragen und den Screenshot beilegen.
- Zweite Erinnerung drei Monate vor Ende der Mindestlaufzeit — das ist der Moment für die Entscheidung „bleiben oder wechseln".
- Zusatzoptionen nach Ablauf der Gratisphase prüfen.
Punkt drei wird selten gebraucht, ist aber der Grund, warum manche Menschen ihre Boni immer bekommen und andere nicht. Anbieter zahlen in der Regel korrekt aus — aber automatische Prozesse haben Lücken, und wer nicht nachfragt, merkt es nicht.
Und wenn man einfach bleibt?
Auch das ist eine legitime Entscheidung — sie sollte nur bewusst getroffen werden. Wer nicht wechseln will, sollte einmal jährlich beim eigenen Anbieter nach einem besseren Tarif fragen. Bestandskundenangebote existieren, werden aber selten von allein angeboten. Ein Anruf mit dem Hinweis auf ein konkretes Konkurrenzangebot führt erfahrungsgemäß häufiger zum Ziel als die Hoffnung, dass sich der Preis von selbst verbessert.